Trotz allem

Über radikale Ehrlichkeit als verbindendes Element
In der Woche vor Weihnachten las ich mit großem Interesse einen Artikel in der österreichischen Ausgabe der „Zeit“. Das Thema: Familie – mit einer überraschenden Botschaft. Familie ist erst dann wirklich Familie, wenn sie auch unvollkommen sein darf. Diese Perspektive nimmt enormen Druck weg, denn seien wir ehrlich: Es ist nicht immer eitel Sonnenschein.
Familie bleibt Familie – trotz allem. Doch unser tägliches Leben spielt sich nicht nur innerhalb der Familie ab. Die sozialen Blasen, in denen wir uns bewegen, fungieren oft als eine Art zweite Familie. Natürlich kann man seine Blase wechseln, aber löst das wirklich etwas? Meine Erfahrung zeigt: Jeder trägt die Herausforderungen, die er bewältigen muss, mit sich. Warum also nicht gemeinsam daran arbeiten, sodass alle davon profitieren?
Der Artikel beleuchtete die Ansichten des Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer. Er sieht Familie – oder weiter gefasst, das soziale Umfeld – als einen sicheren Raum zum Experimentieren und insbesondere zur Versöhnung. Seine Erkenntnisse können helfen.
1. Es ist, wie es ist
Ein guter Anfang ist die Akzeptanz, dass Beziehungen fehlerhaft sein dürfen.
2. Mitgefühl zeigen
Empathie ist essenziell: Sich in andere hineinzuversetzen und Impulse zu kontrollieren, besonders in herausfordernden Momenten. Oft neigen Menschen dazu, auf Provokationen mit gleicher Härte zu reagieren – ein Teufelskreis, der nur zusätzlichen Druck erzeugt.
3. Abstand nehmen
Wenn es trotz allem nicht funktioniert, kann Abstand helfen. Nähe ist nur möglich, wenn es auch Raum für Distanz gibt. Eine weitere wertvolle Lektion: Seien Sie bereit, enttäuscht zu werden. Das bedeutet nicht, sich verletzen zu lassen, sondern nicht immer auf sein Recht zu bestehen. Die entscheidende Frage lautet: Wollen Sie unbedingt Recht haben, oder ist Ihnen die Beziehung wichtiger?
4. Versöhnen statt gewinnen
Der vierte Schritt zu einer starken Verbindung in Familie oder sozialem Umfeld: Versöhnung statt Sieg. Verständnis ist nicht immer die Lösung – viel wirkungsvoller ist es, Unterschiede zu akzeptieren.
5. Den Mut zur radikalen Ehrlichkeit haben
Und dann gibt es noch den fünften, vielleicht wichtigsten Schritt: radikale Ehrlichkeit. Sagen Sie nicht automatisch „Gerne“, wenn das nicht der Wahrheit entspricht. Schmidbauer schlägt vor: „Ich habe keine Lust, aber wenn es dir wichtig ist, tue ich es für dich.“ Natürlich ist das eine vereinfachte Version. Die Realität ist oft komplexer. Doch meine Erfahrung zeigt: Je bewusster Sie sich Ihrer eigenen Bedürfnisse sind und je klarer Sie diese in Ihrem Umfeld kommunizieren, desto effektiver gestaltet sich der Weg nach vorne. Klingt herausfordernd? Verständlich. Falls nötig, kann ein professioneller Begleiter dabei unterstützen.
Zusätzlich empfiehlt Schmidbauer, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen. Das ist nicht immer leicht, da Strukturen Sicherheit bieten, aber auch einengen können. Die Welt verändert sich, Menschen verändern sich – doch Strukturen bleiben oft starr. So entsteht der Eindruck, dass wir uns nicht mehr verstehen. Wie wertvoll wäre es, wenn wir genug Vertrauen in uns und andere hätten, um flexibel zu bleiben? Um in Verbindung zu bleiben – trotz aller Unterschiede.
Reflexionsfragen zur persönlichen Weiterentwicklung
1. Wie ehrlich sind Sie in Ihren Beziehungen? Gibt es Momente, in denen Sie Ihre wahren Gefühle verschwiegen haben?
2. Wie schaffen Sie einen sicheren Raum für sich selbst und andere in Ihrem sozialen Umfeld?
3. Was könnte der erste kleine Schritt sein, um trotz Unterschiede mehr Verbundenheit zu schaffen?
Nehmen Sie sich die Zeit, über diese Fragen nachzudenken, und entdecken Sie, welche Schritte Sie unternehmen können, um Ihre Beziehungen zu stärken und positive Veränderungen zu bewirken. Möchten Sie diesen Weg gemeinsam erkunden? Ich unterstütze Sie gerne. Kontaktieren Sie mich für weitere Informationen.